In Zeiten einer rechten beziehungsweise extrem rechten Jugendkultur,
die ›Braunhemden‹ zu Hause im Schrank lässt und stattdessen mit Piercings auftritt
– modisch auf dem neuesten Stand, könnte man vermuten, dass das Interesse an Symbolen
mit NS-Bezug abgenommen habe. Das Gegenteil ist der Fall. Diese Symbole haben nichts an
Popularität verloren. Das Eiserne Kreuz und die
Reichskriegsfahne sind sogar die am
häufigsten und in den vielfältigsten Produktvarianten angebotenen Symbole der diversen
extrem rechten Versände.
Auch andere Zeichen aus dem Nationalsozialismus, wie die
Schwarze Sonne oder die
Kombination Hammer und Schwert,
werden in der Szene immer beliebter. In vielen Fällen
ist das Tragen dieser Symbole also ein bewusster Bezug auf Elemente des Nationalsozialismus.
Zum ›guten Ton‹ dieser Jugendkultur gehört es auch, dem nicht-rechten Mitschüler oder der
nicht-deutschen Mitschülerin ein Hakenkreuz oder das
SS-Abzeichen ins Schulheft
zu schmieren. Daher ist es unerlässlich, auf die am häufigsten gebrauchten Symbole
mit nationalsozialistischem Bezug hinzuweisen.
Der Reichsadler
Der Adler wird international als Wappentier verwendet. In Deutschland
gilt er seit dem Mittelalter als Sinnbild für Macht, Erhabenheit, Göttlichkeit und Glück.
Die romanischgotische Darstellungsform des Reichsadlers, wie sie in der Reichskriegsfahne
zu sehen ist, wurde im Nationalsozialismus weitgehend durch stilisierte Darstellungen
ersetzt. Damit sollte Modernität suggeriert werden. Nach 1945 wurde der Bundesadler
zum Wappenvogel.
In rechten und neonazistischen Kreisen sind alle Darstellungsformen
gebräuchlich. Häufig wird das Hakenkreuz
im Ring unter den Adler-Klauen retuschiert und durch Gruppenkennzeichen oder Logos oder nicht
verbotene Symbole ersetzt. Gelegentlich werden auch der Bundesadler und daran angelehnte Darstellungen benutzt.
Der Deutschland-Adler liefert die Symbolik für T-Shirts und Aufnäher, Anstecker und Fahnen beispielsweise
mit der Aussage »Ich bin stolz, Deutscher zu sein«. Der Adler z.B. ist auch Bestandteil der Uniformierung
der Aktionsgruppe Sturm Baden. Zusammen mit dem Gruppenkürzel SB ist er im Nacken auf die Bomberjacken gedruckt.
Eisernes Kreuz / EK
Das ist das Eiserne Kreuz wohl bekannteste soldatische und militärische
Symbol. Ab 1813 wurde es als Verdienstabzeichen im preußischen ›Befreiungskrieg‹ gegen die
napoleonische Herrschaft verliehen. 1939 ist es in modifizierter Form zum bekanntesten Orden
des »Dritten Reiches« geworden.
Das Eisernes Kreuz genießt als Motiv oder Motivzusatz beinahe universale
Verwendung in den verschiedenen rechten Spektren. Eine extrem rechte Deutung ist nicht
zwingend, aber es ist stets militaristisches Symbol und dient als Sinnbild eines
Männlichkeitskultes. Es wird häufig in der Heavy-Metal-, Black-Metal- und Rockerszene
sowie vereinzelt in der Hardcore-Szene verwendet.
Im Nationalsozialismus (NS) wiesen Gauwinkel oder Gaudreieck die Träger als Angehörige
aus einem bestimmten Gau der NSDAP oder der Hitlerjugend bzw. ihrer Unterorganisationen aus.
Heute verwendet es die Neonazi-Szene als Ärmelaufnäher zur Kennzeichnung der Herkunft bzw.
lokalen Zugehörigkeit (Bundesland oder Region), wobei bisweilen die ehemaligen
Gaubezeichnungen des »Dritten Reiches« übernommen werden. Der Bundesgerichtshof
entschied im Juli 2002, dass das Gaudreieck als NS-Symbol gelte und das Verwenden
daher verboten sei - auch wenn die Abzeichen in der Öffentlichkeit nicht mehr als NS-Symbole
wahrgenommen würden.
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