In den 90er-Jahren ist in Deutschland die weltweit größte extrem
rechte Musikszene entstanden. Unzählige Bands, Plattenlabels, Versände und Szeneläden
versorgen den Markt. Wie in anderen Szenen auch wird die Zugehörigkeit nach außen
durch bestimmte Musikstile, Konzerte und Kommunikationsmittel wie beispielsweise Fanzines
zum Ausdruck gebracht.
Die Anfänge des RechtsRock in Deutschland gehen auf das Jahr 1977 zurück.
Mitglieder des Nationaldemokratischen Hochschulbundes (NHB), der NPD-Studentenorganisation,
gründeten die Band Ragnaröck. Die zu Beginn der 80er Jahre veröffentlichte LP
Der nette Mann der Band Böhse Onkelz
kann als die Geburtstunde einer rechten Oi-Musik-Szene
gewertet werden, die sich im Laufe der nächsten Jahre rasant entwickelte.
Die Produktion von RechtsRock kann in Deutschland in legal und illegal
unterteilt werden. Im legalen Bereich hangeln sich die Bands meist mit ihren Texten dicht
am Straftatbestand der Volksverhetzung vorbei. Für den ›Untergrund‹ bestimmte Musik wird
von entsprechenden Strukturen konspirativ produziert und vertreiben, die Produkte werden
werden aufgrund strafrechtlich relevanter Texte häufig indiziert.
Inhaltlich beziehen sich die rechten Bands positiv auf
das Heidentum bzw. auf nordische Mythologie, auf die Wehrmacht, die SA und die SS oder auf
bekannte Personen des Nationalsozialismus. Als Feindbilder dienen Ausländer, Juden, Linke,
Drogenkranke, Kiffer, Politiker und die Medien.
Einen musikalischen Stil ›RechtsRock‹ gibt es indes nicht.
RechtsRock steht als Sammelbegriff für das Wirken rechter Bands
in verschiedenen Musikbereichen. Es gab und gibt umfangreiche Bemühungen, bestimmte
Musikrichtungen rechts zu besetzen bzw. in diesen einen »nationalen Flügel« zu etablieren.
Standarte oder DJ Adolf bieten Technobeats unterlegt mit Hitler-Reden,
die extrem rechten Vertreter in der Industrial-Szene nennen sich Rasthof Dachau oder Genocide
Organ. Bemühungen, rechte Bands aus verschiedenen Musikbereichen in Netzwerken zusammenzuführen
und ein gemeinsames Verständnis als rechte Musikszene herzustellen,
waren bisher wenig von Erfolg gekrönt.
So versuchte die Initiative ›Identität durch Musik‹ (idm)
hierfür eine Plattform zur Verfügung zu stellen, doch aufgrund der mangelnden Resonanz aus
den Szenen blieb dieses Unterfangen nur Stückwerk. Während solche Zugriffe der Rechten auf
viele Musikrichtungen nur als marginal angesehen werden können oder ins Leere liefen,
waren deren Einflussnahmen und Adaptionsversuche in anderen Stilen und Szenen erfolgreicher.
Diese sollen nachfolgend beschrieben werden.
Ausführlichere Informationen sind auf der Internetplattform gegen rechte Musik- und Subkultur
www.turnitdown.de
zu finden.
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