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Aber auch das Praktizieren von ›Runenmagie‹ und ›Runenyoga‹ gehört
dazu. Runen sind altnordische/germanische Zeichen, die teils Laut-, teils Symbolcharakter
hatten. Heute werden zumeist Deutungen aus der Zeit der Jahrhundertwende (18./19. Jahrhundert)
ohne historischen Bezug und mit völkischer Interpretation verwendet.
Aber auch Strömungen des esoterischen Heidentums, die versuchen,
eine verschüttete, angeblich ursprüngliche Naturreligion wiederzubeleben,
bedienen sich eines derartigen ›Runenzaubers‹.
Die am häufigsten benutzten Runen sind: Die Lebens-Rune
(auch Man-Rune) stellt angeblich einen Menschen dar, der seine Arme den göttlichen
Mächten entgegen streckt. Sie ist ein universales Symbol der völkischen
Bewegung, das die »lebendigen Kräfte des Volkes« ausdrückt. Sie wird daher in Geburts-
und Todesanzeigen abgebildet, als Schmuck getragen und als Propagandazeichen benutzt.
Die Todes-Rune (auch Yr-Rune) bildet den inhaltlichen und bildlichen
Gegensatz zur Lebensrune. Sie wird anstatt des christlichen Kreuzes in Todesanzeigen verwendet.
Die Hagal-Rune verbindet Todes- und Lebens-Rune.
Im NS wurde sie unter anderem von der SS verwendet.
Heute benutzen religiöse und extrem rechte Organisationen, wie der Deutsche Bund, die Hagal-Rune.
Die Dresdener Zeitschrift Hagal, Untertitel die allumfassende, propagiert völkisches Heidentum.
Die Pfeil-, Kampf- oder auch Tyr-Rune
symbolisiert die ›Tat‹, den Kampf beziehungsweise Krieg. Sie war schon bei
Jugendbünden nach dem Ersten Weltkrieg weit verbreitet und wurde im NS vielfach
verwendet, so unter anderem von der Hitlerjugend und der SA. Sie ist heute u.a. Bestandteil
der Gruppensymbolik der Kameradschaft Deutsche Sozialisten / Außerparlamentarische Opposition DS/APO
aus Hessen bzw. Baden-Württemberg. Das Pfeilsymbol von NPD und JN wird
teilweise als entfremdete Pfeilrune gedeutet.
Die Odal-Rune wird als ein Symbol für »Blut und Boden« oder allgemein
für »Besitz« der Familie beziehungsweise »Sippe« gedeutet. Sie war im NS das Symbol
der Reichsbauernschaft und der Hitlerjugend. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie unter
anderem von der 1994 verbotenen Wiking Jugend benutzt. Die Odalsrune ist durch ihre
Gebräuchlichkeit auch außerhalb der neonazistischen Szene (z.B. in der Bundeswehr)
vor Strafverfolgung weitgehend geschützt.
Rad-Rune
Die Kameradschaft Schwarze Division (Hessen/RheinlandPfalz) nutzt die R-Rune (Rad-Rune),
die nach verschiedenen Interpretationen für Veränderung, Schicksal, ›richten‹ und ›urteilen‹ steht
und sinnbildlich »Thors Streitwagen« darstellen soll.
Sig-Rune
Die Sig- oder Siegesrune war im im Nationalsozialismus nach dem Hakenkreuz wohl das bekannteste Symbol.
In doppelter Ausführung war sie das Symbol der SS, der "Schutzstaffel" der NSDAP.
In einfacher Form wurde die Sigrune als das Abzeichen des "Deutschen Jungvolkes" verwendet.
Die Wolfsangel (auch Gibor-Rune), Symbol des Wehrwolfes bei Löns,
wurde von militärischen Einheiten im Zweiten Weltkrieg und der Werwolf-Organisation benutzt.
[Weiterführende Literatur: Rose, Arno: Werwolf 1944-1945, Stuttgart 1980]
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