Die Parteien und Organisationen der extremen
Rechten verfügen in den meisten Fällen über eigene, unverwechselbare Logos oder Embleme.
Die von ihnen verwendeten Symbole, Farben oder Schriften greifen oft deutlich auf
historische Vorbilder zurück. Geht es jedoch um deren Verbreitung arbeiten Teile
der extremen Rechten bewusst mit den Regeln des modernen Marketings.
Für die Organisationen steht bei der Verwendung ihrer Embleme
die Wiedererkennung, die schnelle und eindeutige Identifikation im Vordergrund.
Parteien wie die NPD versuchen daher sogar,
den Gebrauch von Stilmitteln in ihren Publikationen durch parteiinterne Beschlüsse zu regeln.
Der Träger eines Parteiemblems gibt sich als Mitglied oder
Sympathisant einer Gruppierung und ihrer Programmatik zu erkennen. Er identifiziert
sich im doppelten Sinn eindeutig: mit einer Organisation und für seinen Gegenüber.
Einen Spielraum für Interpretationen, der ja bei anderen Symbolen besteht und auch
gewollt sein kann, gibt es in diesem Fall nicht. Im Gegenteil: das Symbol ist exklusiv.
Freie Kameradschaften
Das Spektrum der ›Freien Kameradschaften‹ stellt den zur Zeit
dynamischsten Zusammenhang deutscher Neonazis dar. Das dort praktizierte Modell
geht von eigenständigen, nicht parteigebundenen Gruppen aus, die ihre Aktivitäten
in einem Netzwerk und unter dem Dach überregionaler ›Kameradschaftsverbände‹ und
›Aktionsbüros‹ bündeln.
Der Begriff Kameradschaft dient organisatorisch als Kennzeichnung
meist regional aktiver Basisgruppen. Als identitätsstiftende Sammelbegriffe dienen auch
›Freie Nationalisten‹ und ›Nationaler Widerstand‹.
Die regional aktiven Kameradschaften verfügen über keine durchgehend
verwendeten Symbole. Schriftzüge auf ›Kameradschafts-Tshirts‹, bestehend aus dem Wort
›Kameradschaft‹ und dem Herkunftsort, sind häufig in Frakturschrift gehalten.
Diese werden manchmal ergänzt durch die Darstellung einer schwarzen Fahne.
In diesem wie in vielen anderen Fällen werden massiv Stil und
Symbolik von linken Gruppierungen übernommen und abgewandelt. ›Autonome Nationalisten‹
treten beispielsweise mit dem verfälschten Symbol der ›Antifaschistischen Aktion‹ auf.
Häufig werden auch in den Namenskürzeln deutliche Bezüge zum NS hergestellt,
so z.B. beim ›Selbstschutz Sachsen-Anhalt‹ (SS-SA), bei den verbotenen
›Skinheads Sächsische Schweiz‹ (SSS) oder beim Nibelungensturm (NS) aus Südhessen.
Der Schriftzug »Frei – Sozial – National« ist eindeutig dem ›Kameradschaftsspektrum‹ zuzuordnen.
In Südwestdeutschland ist seit einiger Zeit ein Boom in der Gründung
von ›Kameradschaften‹ festzustellen, ein Hinweis auf das steigende Bedürfnis rechter Cliquen und
überregionaler Freundeskreise nach einer explizit politischen Identität.
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